Wortbeitrag Arezoo Shoaleh BSS 27.05.2020 Antrag „Sichere Häfen“/ Aufnahme von Kindern und Jugendlichen

Zum Beginn möchte ich das Engagement der Organisation “Seebrücke” und alle, die sich hier in Ludwigsburg für deren Arbeit einsetzen würdigen. Sie leisten nicht nur eine sehr wertvolle Arbeit, sondern sie retten schlicht weg Menschenleben.

 

Für uns Stadträtinnen und Stadträte geht heute nicht nur darum ein Zeichen der Solidarität für Menschen und Menschlichkeit zu setzen. Vielmehr sollen wir uns ausdrücklich dazu bekennen, dass wir nicht länger beim Sterben im Mittelmeer und den Flüchtlingslagern an der Grenze zu Europa zusehen und schweigen.
Wir sollen uns dazu bekennen, all den Menschen, die bei ihrer Flucht in Not geraten sind, Unterstützung und Hilfe anzubieten. Und auch der Bundesregierung zeigen, Ludwigsburg legt nicht die Hände in den Schoß, sondern möchte sich aktiv beteiligen. Und dabei geht es um die Frage, ob wir die Menschen ertrinken lassen wollen oder ob wir sie retten möchten?!

 

Wir dürfen nicht mehr tatenlos darüber hinwegsehen. Es ist unsere moralische und humanitäre Pflicht und steht in unserer Verantwortung, dass auch wir uns für die Rettung von Menschenleben aktiv einsetzen.

Selbstverständlich muss die Bundesregierung weiter intensiv an einer europäischen Lösung arbeiten.

Und selbstverständlich müssen alle Länder der Europäischen Union und darüber hinaus eine europäische Lösung finden.
Ist es nicht tatsächlich so, dass das Handeln Europas, besser gesagt das Nicht-Handeln vieler Länder Europas, täglich Menschenleben kostet?
Sind auch nicht wir ein Teil Europas?


Ich bin der Meinung, dass auch wir als gewählte Vertreterinnen und Vertreter der Stadtbevölkerung und als Kommune hier eine hohe Verantwortung haben. Gemeinsam senden wir ein starkes humanitäres Signal und setzen uns damit für ein menschliches Europa ein.
Das Corona Virus hat uns allen deutlich gezeigt, wie global vernetzt wir sind, wie sehr wir auf die Menschen überall auf der Welt angewiesen sind und, wie sehr wir einander brauchen.

 

Krieg, Armut, Menschenrechtsverletzungen, Gewalt, sind auch wie ein Virus. Wenn sich Kinder, Jugendliche, aber auch Erwachsene mit diesem Virus infizieren und damit auch identifizieren, bricht dieser in unserer Gesellschaft mit fatalen Folgen wie Hass, Rassismus, Radikalismus aus.

 

Und dann nützt es nicht mehr auf eine europäische Lösung zu warten, die Grenzen zu schließen und auf soziale Distanz zu gehen.
Jetzt sind Solidarität, Humanität und die Werte des Grundgesetzes gefragt. Jetzt muss den Menschen geholfen werden, die seit langem auf Hilfe warten.

 

In Frieden und Demokratie zu leben, ist ein großes Glück. Doch nicht alle Menschen haben das Glück in Frieden und in Freiheit zu leben. Auch Menschen, die flüchten sind Menschen wie wir. Auch sie wurden als Kind geboren und sind mit viel Wünschen und Sehnsüchten aufgewachsen. Aber was viele von Ihnen erlebten sind Gewalt, Krieg, Hunger, Armut und Elend.

 

Viele flüchten nicht um ein besseres Leben zu haben, sondern sie flüchten einzig und allein um zu überleben. Die meisten sind Monate, manche auch Jahre unterwegs, heimatlos und vertrieben. Harren in Lagern aus, ohne Perspektive. Ich glaube die Situation, besser gesagt die Dramatik, die in den Flüchtlingslagern, so auch in Moria und Lesbos herrscht, ist uns allen bekannt. Viele Menschen dort sagen sogar, dass sie lieber mit einer Bombe schnell tot wären, statt dort langsam zu sterben.


Ich bitte Sie dem Antrag zum Beitritt zum kommunalen Städtenetzwerk „sichere Häfen“ und der Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus Flüchtlingslagern zustimmen.


Es geht um Menschenleben!